Bei welchen Störungen und Symptomen wird die IKPT mit Erfolg eingesetzt?

Die IKPT kann grundsätzlich sowohl bei Unklarheiten in der Äusseren Struktur der Beziehung (Beziehungsmodell) als auch bei Konflikten in der Inneren Struktur der Beziehung (Psychologischer Bereich) eingesetzt werden.

Viele Paare geraten schon nach wenigen Jahren in eine gegenseitige Verstrickung von unbewussten Erwartungen, Enttäuschungen und Korrekturversuchen (Innere Struktur). Dadurch entstehen die allgemein bekannten Symptome der typischen Beziehungsstörung. Jedes Paar entwickelt seine eigene „Auswahl“, Kombination und Ausprägung der Symptome. Je nach Ausmass und Heftigkeit der Störungen kann man 3 Schweregrade unterscheiden. Die Verstrickung verschlimmert sich in der Regel mit zunehmender Dauer von der vorübergehenden Entzweiung über die anhaltende Entfremdung bis zum erbitterten Kampf oder der Resignation. Viele Beziehungen zerbrechen schliesslich an den Folgen unbewältigter Verstrickungen.

Die Paartherapie hat naturgemäss die besten Erfolgschancen, wenn sie in einem frühen Stadium eingesetzt wird. Die IKPT Therapeuten/innen werden besonders darin geschult, Verstrickungen aufzulösen.

In der Regel sehr gute Erfolgsaussichten für die IKPT:

Verstrickung 1. Grades (Entzweiung):

Das Paar liebt sich immer noch, die Beziehung ist aber oft schwierig geworden.

  • Kommunikationsstörungen: Man kann oft nicht mehr zusammen reden, versteht sich nicht mehr, redet dauernd aneinander vorbei.
  • Polarisierung: Als ob man aufeinander allergisch wäre, führen kleine, immer wieder ähnliche, unbedeutende Alltäglichkeiten („Peanuts“) oft zu Streitigkeiten mit gleichartiger Rollenteilung.
  • Eskalationen: Kleine Auseinandersetzungen können oft nicht beigelegt werden und verstärken sich emotional, je länger man im Kreis herum argumentiert. Die negativen Emotionen führen dabei nicht zu nachhaltigen psychischen oder körperlichen Verletzungen. Es besteht Versöhnungsbereitschaft und der intensiver Wunsch, Eskalationen zu verstehen und in den Griff zu kriegen.
  • Symptombildung: Bei einem oder beiden Partnern besteht eine kürzer dauernde oder akute psychische oder körperliche Krisensituation.
  • Fremdbeziehung: Es hat aus einer „Gelegenheit“ heraus eine kurze „Affäre“ oder ein „Seitensprung“ des einen Partners stattgefunden, welche/r keine längere „Aussenbeziehung“ zur Folge hatte.
  • Sexualität: Im Zusammenhang mit Streitigkeiten zeitweise beeinträchtigt.
  • Drittpersonen: Freunde, Verwandte oder auch Berater und Therapeuten können vorübergehend als „Helfer“ einbezogen worden sein. Sie stehen aber nicht dauerhaft zwischen den Partnern.
  • Therapieziel: Beide möchten die Beziehung erhalten und sich in der Paartherapie dafür einsetzen.


In der Regel mittlere bis gute Erfolgsaussichten für die IKPT

Verstrickung 2. Grades (Entfremdung):

Das Paar denkt noch nicht konkret an Trennung, würde im Grunde auch gerne zusammen bleiben und würde sich vielleicht sogar noch lieben können. Man hat sich aber wegen vielen, zumeist schon lange dauernden und immer wiederkehrenden Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen (sogenannt) „auseinandergelebt“.

  • Kommunikationsstörung: Über bestimmte „Themen“ kann nicht mehr zusammen geredet werden; sie werden nach Möglichkeit zunehmend vermieden.
  • Polarisierung: Die Partner verhalten sich, fixiert in gegensätzlichen Rollen, untereinander immer ähnlich einseitig. Die stereotypen Verhaltensmuster können sofort verschwinden, sobald mit einer „aussenstehenden“ Person kommuniziert wird.
  • Eskalationen: Bei unvermittelt auftretenden Konflikten können die negativen Emotionen ausser Kontrolle geraten und zu heftigen psychischen oder gelegentlich auch körperlichen Verletzungen führen. Bezüglich der Aussicht, die Konflikte zu lösen, herrscht oft ein Wechsel zwischen Auflehnung und Resignation vor.
  • Symptombildung: Die Polarisierung hat sich so „eingegraben“ und verfestigt, dass der eine Partner im Zusammenhang mit einer psychischen oder körperlichen Erkrankung in die Patientenrolle geraten ist, während der Andere ihn als „Angehöriger“ betreut.
  • Fremdbeziehung: Eine länger dauernde Polarisierung hat zur „Aussenbeziehung“ des einen Partners und zur heftigen Eifersuchtsreaktion des Anderen geführt.
  • Sexualität: Sexueller Kontakt findet selten noch statt oder kann stillschweigend „einvernehmlich“ seit längerer Zeit ganz aufgehoben sein; die Gefühle sind dabei „neutral“ oder „brüderlich-schwesterlich“. Bei chronischer Polarisierung über die Sexualität kann „Drängen gegen Verweigern“ eskalieren.
  • Drittpersonen: Der eine oder beide Partner hat/haben sich an Aussenstehende angelehnt. Sie fühlen sich mit ihnen oft stärker verbunden oder besser verstanden als vom Partner.
  • Therapieziel: Gegenüber den Erfolgschancen einer Paartherapie besteht eine erhebliche Skepsis. Es besteht aber eine grundsätzliche Bereitschaft, sich auf eine Paartherapie einzulassen. Allenfalls wäre auch eine Trennungsbegleitung vorstellbar.


In der Regel beschränkte Erfolgsaussichten für die IKPT

Verstrickung 3. Grades (Kampf oder Resignation):

Das Paar ist nach oft jahrelangen, unendlichen und zermürbenden Auseinandersetzungen gegenseitig zur Überzeugung gelangt, dass der Partner sich in einem Masse negativ verändert hat, dass ein Zusammenbleiben eigentlich unaushaltbar geworden ist. Man fühlt sich längst nicht mehr als Liebespaar, blieb aber bisher wegen einer gegenseitigen Abhängigkeit, aber auch aus praktischen Gründen, dem Alter, den Finanzen usw. zusammen. Ein oder beide Partner haben gegebenenfalls schon Kontakt mit einer Rechtsperson aufgenommen. Einer erfolgreichen Paartherapie werden nur wenige Chancen eingeräumt.

  • Kommunikationsstörung: Es ist, abgesehen von reinen „Sachgeschäften“, keine dialogische Kommunikation mehr möglich. Es herrschen fixierte Meinungen übereinander vor.
  • Polarisierung: Langdauernd gegensätzliches Rollenverhalten wird von den Partnern längst als entgegengesetzte, stabile negative Charaktereigenschaften wahrgenommen.
  • Eskalationen: Fast alle Themenbereiche werden konflikthaft ausgetragen, entweder in heftigem, verletzendem Streit, oder in „eiskaltem“ Schweigen.
  • Symptombildung: Leidenszustände und Erkrankungen werden oft als direkte Folge des schuldhaft und destruktiv erlebten Verhaltens des Partners gedeutet.
  • Fremdbeziehung: Es bestehen stabile verleugnete oder offene Aussenbeziehungen des einen oder beider Partner. Eifersuchtskämpfe haben ritualisierten Charakter angenommen oder weichen einer Gleichgültigkeit.
  • Sexualität: Es gibt keine sexuelle Beziehung mehr.
  • Drittpersonen: Verwandte, Freunde, Therapeuten und Anwälte werden gezielt einbezogen und instrumentalisiert, um sich gegen den Partner durchzusetzen.
  • Therapieziel: Eine Wiederherstellung der Beziehung wird kaum noch gewünscht und erschiene auch oft aussichtslos. Möglich ist aber immer noch ein Beilegen des destruktiven Kampfs zu Gunsten einer einvernehmlichen Trennung/Scheidung. Diese Lösung ist besonders anzustreben, wenn das Paar gemeinsame Kinder hat.